Thomas Buchholz

Klingelfranz für Orchester und elektroakustisches Zuspiel (2011)

Besetzung: Orchester
Flöte, Oboen (2), Klarinette, Fagott, Hörner (2), Trompete, Posaune, Schlagzeug, Streicher
Mietmaterial
Dauer (h:m:s): 00:10:00
Verlag Neue Musik GmbH / NM11332
ISMN: 9790203218777

Mietmaterial

Beschreibung

1. Mephisto
2. Campanella

ZUVOR

Franz Liszt zählt zu den innovativen Köpfen der Musik des 19. Jahrhunderts. Darüber hinaus hat er als Virtuose letztlich auch den Instrumentenbau beeinflusst. Kein Klaviermacher konnte nach Liszt noch ein Instrument auf den Markt bringen, welches den Anforderungen der Spieltechnik Liszts nicht entsprochen hätte. Nun lässt sich die Tragweite des Komponisten nicht auf seine virtuose Klaviermusik beschränken. Sein Werk umfasst viele Stücke mit tiefer poetischer Wirkung und einer musikalischen Experimentierfreude, die heute noch den Musikforscher wie den Liebhaber staunend macht. Immerhin war Liszt der erste Komponist, der lange vor der Auflösung der kadenziellen Harmonik durch Debussy oder der harmonischen Zwölftonmethode eines Josef Matthias Hauer Stücke „ohne Tonart“ komponierte. Nur wenigen Musikfreunden sind diese Tatsachen bekannt. Und oft erlebt man, wie sehr Liszt auf sein Virtuosentum beschränkt betrachtet wird. Die daraus resultierenden, teilweise auch berechtigten Kritiken (manche stammen noch von berühmten Zeitgenossen wie Clara Schumann oder Johannes Brahms), dass seine virtuosen Stücke zeitweise substanzloses Geklingel seien, brachten ihm das Kritikerwort
vom „Klingelfranz“ ein, dessen Ursprung nicht genau ermittelt wurde. Vermutlich ist es auch auf ein Klavierstück zurückzuführen, das technisch recht anspruchsvoll eine Geigen-Etüde seines Zeitgenossen Paganini transkribiert. Diese Etüde trägt sowohl bei Paganini als auch bei Liszt den Titel „La campanella“ – das Glöckchen –, eine Paraphrase über ein italienisches Volkslied. Wer sich von seinem Virtuosenkollegen eine musikalische Bluttransfusion holt, bekommt selbstverständlich auch die damit verbundenen Viren mit; abgesehen davon, dass Klingel-Franz lustiger klingt als vielleicht Campanella-Nicolò.
Ob meiner Wertschätzung gegenüber dem großen Musiker war es mir eine Freude, zwei der berühmtesten Klavierstücke Liszts, den Mephisto-Walzer und die Etüde nach Paganini „La campanella“, musikalisch neu auszuleuchten. Dabei sind mir die Gesten der musikalischen Vorlage wichtiger gewesen als das wörtliche Zitieren (bis auf das unvermeidliche Glöckchen-Zitat). Ob mich der Virus der Virtuosität nun ob dessen zum Klingel-Thomas macht, werde ich besser meinen Kritikerinnen und Kritikern überlassen.

Hallo, Juni 2011
Thomas Buchholz




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