Andrea Cavallari

Der Antichrist (2021)

Oper nach „Der Antichrist“ von Friedrich Nietzsche
Libretto: Bert Bresgen
Besetzung: Oper
Flöte (Alt-Flöte), Klarinette (Bass-Klarinette), Schlagzeug, Pauke, Streicher, Soprane (2), Alt, Baritone (2), Sprecher
Mietmaterial
Dauer (h:m:s): 00:45:00
Verlag Neue Musik GmbH / NM11908
ISMN: 9790203252597

Mietmaterial

Beschreibung

Die Oper handelt vom Christentum und einem skandalösen Buch; dem letzten Buch Friedrich Nietzsches, seinem Opus magnum, seinem Opus maleficum, einem diskursivphilosophisch-
psychologisch brillantem Text, einer Anklageschrift wie sie davor und danach nie mehr zu lesen war, die dennoch versucht, jede Anklage hinter sich zu lassen, die gleichzeitig an einigen Stellen hinüberschaut in den Wahn, der Nietzsche noch vor der Drucklegung Mundtot machen sollte. Gerade dieses manische Grenzgängertum, die jähen, immer wieder überraschenden Wechsel seiner Tonarten machen Nietzsches letzten Text so spannend. Aber: anders als „Also sprach Zarathustra“ oder seinen „Dionysosdithriamben“ ist der Text größtenteils unlyrisch, unsingbar, untanzbar. Daraus ergeben sich für die Umformung in eine zeitgenössische Oper verschiedene Probleme: Man muss mehreren Versuchungen widerstehen:
– die treffenden Tiraden Nietzsches zu illustrieren mit populär-kritischen „zeitgenössischen
Themen“ der Medien wie den Missbrauchsskandalen der Kirche oder dem Machtkämpfen
innerhalb des Vatikans,
– eine biographisch grundierte Version zu zeigen, die die Entstehungszeit zeigt, den Kampf des „einsamen Genies“ mit dem „Wahn“ einerseits und der „bornierten Umwelt“ andererseits
– Nietzsches Text als „Verkündigungstext“, als Philosophieseminarstext und Quasioratorium
zu inaugurieren und abzutöten,

„Der Antichrist“ beschreitet daher einen anderen Weg, einen sich immer wieder krümmenden, der die Paradoxien des Originals in sich aufnimmt.
Sieben Szenen des Librettos werfen Schlaglichter auf den originalen Nietzschetext; jede
Szene bezieht sich darauf nach einem anderen Darstellungsprinzip. Gemeinsam ist lediglich
allen Szenen, dass die Sänger und Sängerinnen an irgendeinem Punkt aus ihrer Situation
herauszutreten scheinen und in einer Nachahmung der liturgischen Lesung, aber innerhalb
ihrer Rolle eine Passage aus Nietzsches Antichrist vortragen.
Die Komposition Andrea Cavallaris folgt den Verästelungen der Szenarien und des
Nietzscheanischen Textes mit Nietzscheanischer Neugierde und kompromisslosem Willen
zu „Neuen Tönen“.

Bert Bresgen




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