Johann Sebastian Bach / Tobias Schwencke / Hans-Joachim Hespos / Paul-Heinz Dittrich / Tobias Krebs / Samir Odeh-Tamimi / Sarah Nemtsov / Hovik Sardaryan / Andreas F. Staffel / Cathy Milliken / Helmut Oehring

In hohem Holze

Antje Thierbach – Oboen
Besetzung: Oboe
Oboe
CDs (2)
Dauer (h:m:s): 01:40:11
Format: 12,5×14 cm
Kreuzberg Records Inh. Detlef Kessler / KR10195
EAN: 4018262261950

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Beschreibung

Inhalt CD1

Johann Sebastian Bach / Tobias Schwencke
1. Sarabanda-Carauanda für Barockoboe und Zuspiel

Hans-Joachim Hespos
2. dissipative gesänge nr. 1 für Oboe d’amore, Barockoboe d’amore (Nr. 6) und singende Säge (Peter Bauer)

Paul-Heinz Dittrich
3. Erwachen am Augenblick für Sopran (Clara Maria Kastenholz) und Oboe

Hans-Joachim Hespos
4. dissipative gesänge nr. 2

Tobias Krebs
5. Schilf für Oboe/Baritonoboe und präparierte Gitarre (Tobias Krebs)

Hans-Joachim Hespos
6. dissipative gesänge nr. 3

Samir Odeh-Tamimi
7. ÓD für Barockoboe d’amore und Akkordeon (Susanne Stock)

Inhalt CD2

Sarah Nemtsov
1. THEO/AHVA für Oboe d’amore

Hans-Joachim Hespos
2. dissipative gesänge nr. 6

Hovik Sardaryan
3. …iube me venire ad te super aquas für Barockoboe d’amore und Duduk (Gregor Schulenburg)

Hans-Joachim Hespos
4. dissipative gesänge nr. 4

Andreas F. Staffel
5. in hohem Holze für Oboe und Zuspiel

Hans-Joachim Hespos
6. dissipative gesänge nr. 5

Cathy Milliken
7. schön für Oboe und Zuspiel (Stimme: Antje Thierbach)

Hans-Joachim Hespos
8. dissipative gesänge nr. 7

Helmut Oehring
9. [im’ferno] (aus: MAPPA) III für Oboe/Bassoboe + Audiospiel + GebärdenMimoChoreografie / visuelle Sprache (ad libitum)

Hautbois, das hohe Holz, Hoboe, die Oboe.
Singular?
Im konventionellen Sinfonieorchester ist die Oboe vor allem durch ihren Klang singulär, ihre Rolle klar, unverwechselbar in ihrer der menschlichen Summe verwandten Kantabilität, dadurch aber auch begrenzt in ihren Entfaltungsmöglichkeiten. Gustav Mahler beispielsweise, der wundervolle Soli für die Oboe schrieb, bediente diese Rolle, prophezeite ihr genau dafür aber auch das Aussterben. Eine allzu reine Liebe?

Die Oboe wurde zuerst Ende des 17. Jahrhunderts in Frankreich gebaut, und seitdem immer weiterentwickelt. Jede Zeit hatte Ihre Instrumente und ihre Musik, zeitgenössische Musik. Man nannte es nicht so, es war selbstverständlich. Erst seit etwa 150 Jahren hört und spielt man zunehmend Musik früherer Zeiten.

Während für die Komponisten das Jahr 1945, das Ende der Katastrophe der Weltkriege, die Zäsur war, kamen für die Interpreten der sogenannten Ernsten Musik eher mit den 68ern
des letzten Jahrhunderts im weiteren Sinne neue und starke Impulse. Das Warum und das Wie der Aufführung vorrangig Musik vergangener Zeiten wurde zur Diskussion gestellt, verstörende Interpreta??onsansätze, die statt des gepflegten Wohlklanges Musik als Klangrede und Provokation dachten, setzten der permanenten Reproduktion, dem Abgleiten ins Kunstgewerbe, produktive Ansätze entgegen.
Quellenstudium, die Erforschung historischen Instrumentariums, der Rolle der Komponisten und Interpreten in den Epochen, Funktion der Musik in vergangenen und heutigen Kulturen
rückten in den Fokus des Interesses. Es entstanden weniger hierarchisch strukturierte Ensembles für Alte und Neue Musik.

Mehr als ein halbes Jahrhundert später bestehen sie, oft in zweiter und dritter Generation, neben den Staatsorchestern weiter und haben ein hohes Maß an Standardisierung erreicht.
In den Jahrzehnten meiner musikalischen Tätigkeit durfte ich mit Künstlern und Ensembles
unterschiedlichster Ausrichtung zusammenarbeiten, die Familie meiner Oboeninstrumente wuchs, meine Erfahrung aus der Arbeit mit lebenden Komponisten, Improvisations- und Theatermusikern prägt meinen Blick auf Musik früherer Epochen. Das Interesse ist archäologisch zu nennen.

Die Kompositionen dieser Veröffentlichung sind für mich geschrieben oder von mir aufgeführt, die Instrumente unter konzeptionell/kompositorischen Gesichtspunkten ausgewählt. Die Oboen erklingen mal ganz allein, mal mit Zuspiel oder sehr unterschiedlichen Partnern, es kommen so verschiedenste Facetten ihrer Charaktere zum Tragen. Es geht nicht um Machbarkeitsstudien, extendierte Spielmöglichkeiten stehen ganz im Dienste musikalischer Ideen, „Singen ist das Fundament der Musik in allen Dingen“ schrieb
Telemann, das ist auch mir Credo, durchaus paradox gedacht.

Im Familienkontext wird die Singularität der Oboe relativ, der intensive Dialog mit Sopran,
singender Säge, Duduk, präparierter Gitarre, Technobeats, Akkordeon, Geräuschbändern, mit
sich selbst und mit Sprachaufnahmen von mir, lässt sie über sich selbst hinauswachsen. Ihre
Identität wird durchlässig in Zeit und Raum.

Antje Thierbach




Herstellerinformation:
Kreuzberg Records Inh. Detlef Kessler
Tiergartenstr. 14, 50321 Brühl, DE
info@kreuzberg-records.de