Beschreibung
„Ich hörte heute eine kleine, sehr gute Komposition von mir (Sonatine für Geige und Bratsche)“, berichtete Paul von Klenau seiner zweiten Ehefrau Margarethe Klimt in einem Brief vom 16. Oktober 1942. Während sein künstlerischer Fokus in den Dekaden zuvor hauptsächlich auf groß dimensionierte Bühnenwerke gerichtet war, wendete er sich nach der Rückkehr in seine Geburtsstadt Kopenhagen auch wieder der Kammermusik zu.
Die Sonatine für Violine und Viola ist somit der erste Gattungsbeitrag, den Klenau 1941 nach einer 25 Jahre währenden Pause im Bereich der Kammermusik komponierte. Sie ist daher auch das erste Kammermusikstück auf Grundlage der „tonartbestimmten Zwölftontheorie“, wie sich zu Beginn erkennen lässt, wenn fast alle zwölf Töne der chromatischen Skala in der Violine erklingen. Klenaus Reihenbehandlung ist wie gewohnt frei, indem er Wechselnoten zulässt, bei Bedarf einzelne Töne vorzieht oder einzelne Reihenabschnitte in sich wiederholt. Schließlich ging es ihm nie um eine verbissene Treue gegenüber der Reihe und dem Prinzip, sondern um die Möglichkeit, sich neue Anregungen für den Umgang mit dem Tonmaterial zu schaffen.
Wahrscheinlich blieb die private Aufführung, die Klenau im eingangs zitierten Brief erwähnte, die bisher einzige dieses Werks. In dem Briefwechsel mit seiner Ehefrau findet die Sonatine nur noch einmal im Zusammenhang mit ihrer Archivierung Erwähnung: „Ich habe heute versucht eine Mappe – nach berühmten Vorbildern – zu machen, für eine kleine Sonate für Violine und Viola, die ich unter Skizzen und Notenblättern fand (sie stammt aus 1941).“ Das Manuskript befindet sich heute in der Königlichen Bibliothek, Kopenhagen, Klenau Samling Nr. 95. Es diente als Vorlage für diese Erstausgabe.
Gerrit Bogdahn















