Beschreibung
Allgemeine Anmerkungen:
„Kammermusik III“ markiert zusammen mit dem kurz zuvor entstandenen „Selisih“ für Alt- und Baritonsaxophon einen neuen Ansatz in meiner Musik. Haben mich in den Werken der 1990er Jahre vor allem bestimmte Fragen der musikalischen Kommunikation, Interaktion und Interpunktion (kolotomische Strukturen) beschäftigt, so steht derzeit vor allem die individuelle Ausdrucksweise im Vordergrund. Mit anderen Worten, sprachanaloge Aspekte der Einzelstimme haben größere Bedeutung, jedoch nicht mehr primär wegen des strukturellen bzw. formalen Aspekts, sondern vielmehr hinsichtlich individueller Ausdrucksgesten, die ich als „Redensarten“ bezeichnen möchte. Dies führt unter anderem zu einer wesentlich solistischeren Präsenz der einzelnen Instrumente/Spieler (hier insbesondere bei Bassklarinette, Altsaxophon, Percussion und teilweise auch dem Kontrabass). Obwohl diese „Redensarten“ an manchen Stellen ebenfalls in dialogische Beziehungen treten, so sind es doch die Individuen selbst, die im Vordergrund stehen. Nur an speziellen Schnittstellen verändern sie sich beispielsweise zu kollektiven „musikalischen Verhaltensweisen“.
Dies führt zwangsläufig auch zu einer anderen Schreibweise der Instrumentalstimme, bei der mikrotonale Flexionen und extreme Lagen eine wesentliche Rolle spielen. Mikrotonalität ist weniger ein Element eines erweiterten Tonsystems, sondern bezieht sich auf eine differenziertere individuelle Artikulation des jeweiligen musikalischen Moments und eine direktere Körperlichkeit des Ausdrucks. Solche Artikulationsformen sind vor allem in der Spielpraxis von Blas- und Streichinstrumenten im asiatischen Raum bekannt. Es handelt sich in diesem Fall jedoch keineswegs um eine wie auch immer geartete kulturelle Adaption, sondern ausschließlich um die Differenzierung einer autonomen spieltechnischen Verfahrensweise, die vom Prinzip her in anderen kulturellen Zusammenhängen ebenso auftritt . Ich bin der Überzeugung, dass die Idee der sprachanalogen „Redensart“, der sprachanalogen Gestaltung überhaupt fast automatisch zu solchen Verfahren führen muss. Nur in wenigen Fällen (mixturartige Akkordveränderungen) ist eine genaue Umsetzung der Vierteltönigkeit im Sinne eines fixen mikrotonalen Systems intendiert. Dies ergibt sich jeweils eindeutig aus der Partitur.
Ähnliches gilt auch für die zahlreichen Glissandi und Vibrti. Während einige Glissandi eindeutig definiert sind, findet man bei den meisten Endglissandi in der Regel keine Angaben. Es handelt sich dabei um eine Art Hochdrücken oder Fallenlassen des jeweiligen Tons im Mikrobereich. Während Letzteres eher einer Art Entspannung oder sogar „Resignation“ entspricht, sollte das Hochdrücken immer im Sinne eines „gespannten Hinzielens aber letztlich nicht Erreichens“ umgesetzt werden. Die Vibratoanweisungen sind genau zu beachten. Stehen keine Erläuterungen dabei, so gilt die traditionelle Art und Weise des Spiels.

















