Beschreibung
ZUVOR
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Sechs Jahre danach sind mir die alten Unterlagen wieder in die Hände gefallen. Ich danke meinem Verleger, dass er Interesse an der Sache zeigte und eine Publikation in Angriff genommen hat.
Aus den damaligen Erfahrungen kann ich berichten, dass mir damals an der Waldorfschule drei Ensembles zur Verfügung standen, mit denen ich die Premiere ins Werksetzte:
– ein Auswahlchor des Schulchores aus etwa 20 Mädchen- und Knabenstimmen,
– ein Schulorchester mit 12 klassischen Blas- und Streichinstrumenten, Schlagzeug sowie Klavier und
– das Klassenensemble der 8. Klasse mit 21 Schülerinnen und Schülern
Die Struktur der Freien Waldorfschulen mit ihrem auf das aktive Musikzieren gerichtete
Unterrichtskonzept in der Unter- und Mittelstufe, macht es möglich, eine solche Aufführung zu realisieren. Schüler, die auf diese Weise künstlerische Strukturen verstehen lernen, haben auch später Freude an Musik und Theater und erfahren diese als sinnreiche Lebensgestaltung.
Wünschenswert wäre, dass an allen, insbesondere den staatlichen Bildungseinrichtungen musikalische und künstlerische Betätigung eine besondere Rolle bekommt. Der allgemein zu beobachtenden Verödung des kulturellen Erlebens in allen Schichten der Gesellschaft kann nur so entgegengewirkt werden.
George Orwell (1903-1950) hat sich in seinen beiden Hauptwerken Farm der Tiere (1945) und 1984 (1949) mit den Wirkungsmechanismen totalitärer Staatsformen auseinandergesetzt. Liest man seine präzise beobachten Dystopien, die sich einmal auf die Sowjetunion und andermal auf England (London) beziehen, wird man unschwer feststellen, dass die Denk- und Handlungsweisen der Menschen auch in modernen Demokratien nicht automatisch besser sind. Orwell warnt davor, dass jede Revolution, jede Veränderung im Gefüge eines Staates, zu neuer Unterdrückung des Volkes durch die Mächtigen führen kann. Nur wenn der Veränderung der Verfassung eines Staates hohe Hürden auferlegt sind, bleiben die Grundrechte gewahrt. Damit ist die Aufführung dieses Stückes auch eine politische Aufgabe für eine Schule.
Ich habe bei meiner Umarbeitung bewusst die Setzungen auf bestimmte Politiker im Stalinismus und überhaupt den Bezug zu politischen Systemen herausgenommen und im Zuge einer pädagogischen Aufgabenstellung mehr auf allgemeine menschliche Verhaltensmuster gesetzt. Damit ist das Stück gegenüber der Originalversion nicht als Karikatur oder Gesellschaftskritik einer konkreten geschichtlichen Situation anzusehen, sondern in seiner verallgemeinernden Darstellung zeitlos geworden.
Die Animal Farm Suite besteht aus sieben Charakterstücken. Ich habe mit dem ersten Stück begonnen und diese Musik immer wieder eingesetzt, wenn keine besondere Handlungssituation ein anderes Stück besser erscheinen ließ. So ist bereits im ersten Akt die Vertreibung von Bauer Jones ohne das Stück Revolution musikalisch nicht denkbar. Im Allgemeinen will ich die Position einzelner Sätze der Suite nicht vorschreiben. Lediglich die günstigsten Platzierungen einiger Musikstücke sind angezeigt.
Thomas Buchholz


















