Beschreibung
Das Stück „Etüde 1“ entstand von Mai 2020 bis Februar 2021, im Auftrag des französischen Ensembles l’Itineraire und dem Kultur-Verein Flexus aus Flix. Im Gegensatz zu früheren Stücken war ich hierbei nicht beeinflusst von einer außermusikalischen Idee. Es handelt sich gewissermaßen um Musik, die für sich selbst spricht. Der Gedanke des etüdenhaften ist durch verschiedene Aspekte beeinflusst. Einerseits habe ich als Kind und Student oft Etüden auf dem Klavier gespielt, andererseits zeigte ich mich oft beeindruckt durch technisch expressive Etüden, wie bspw. die Klavieretüden von Ligeti. Während der Zeit der Komposition fühlte ich micht inspiriert von dem Werk „Monument, Selbstportrait, Bewegung“ und die darin thematisierten, rhythmischen Prozesse. Seit 2019 unterrichte ich an einer Musikschule und muss mich hierbei erneut mit Etüden für Schüler beschäftigen. Hierbei wurde mir bewusst, dass das Etüdenspektrum hierbei von expressiven, musikalischen Etüden reicht bis hin zu eher technischen Übungen. Ligeti hat das Etüdenhafte ins künstlerische transformiert, aber dies ist nicht unbedingt der Charakter, den die Etüde immer repräsentierte. Etüden waren oftmals Lehrstücke, die den Schüler dazu ermunterten bestimmte Techniken zu lernen und sein Handwerk zu verbessern.
In dem Werk gibt es viele etüdenhafte Strukturen: Diese s ind sowohl in den punktuellen Klangfeldern zu finden, die Varése Akkorde bilden, aber auch in den minimalistischen Klarinettenrepetitionen, in den solistischen Passagen. Punktuelle Passagen überführen das häufig starre, in freie Elemente und Strukturen.
Etüden waren früher häufig in spezifischen Tonarten, diesen Gedanken habe ich dann durch bewusst eingesetzte Zentraltöne ersetzt, die in gewisser Hinsicht so etwas wie eine Tonart der Etüde bilden. in diesem Sinn zirkuliert das Stück häufig um einen Zentralton, bis es wieder in Klangfelder aufgelöst wird, die eher chromatisch oder später auch einmal spektral sind. Der Zentralton lässt sich dann bspw. als spektraler Bestandteil interpretieren.
Das Stück erreicht eine zusätzliche Tiefe durch den bewussten Einsatz von Elektronik, dargestellt durch Zuspielungen. […]
















