Dimitri Terzakis
Hero und Leander für einen Sprecher, Viola, Klavier und 2–4kanaliges Tonband (2002/03)
Rapsodia
nach Texten von Ovid und F. v. Schiller
Besetzung: Sprecher, Viola, Klavier, Tonband
Partitur
Mitgelieferte Stimme(n): Sprecher, Viola, Klavier, Tonband
Geheftet
Format: 21 x 29,7 cm
Seiten: 26
Gewicht: 96 g
Edition Gravis / EG857P
ISMN: 9790205714567

Rapsodia

Im Gegensatz zum antiken Dionysosfest, das den Kern der Tragödie und darüber hinaus des europäischen Theaters und der Oper bildete, verschwand die uralte Rhapsoden-Kunst, ohne Spuren zu hinterlassen. Überlebt haben nur Homers Epen als Lektüre.
Die Rhapsoden erzählten nicht nur die homerischen Epen, sondern auch eigene Texte. Sie „poetisierten“ die Mythologie oder die Geschichte, und dabei spielten sie höchstwahrscheinlich improvisierte Musik. Die Funktion der Musik ist so selbstverständlich, dass es sich erübrigt, sie eingehend zu besprechen. Eines steht meines Erachtens fest: Diese Musik war eng mit dem Inhalt der Texte verbunden. Leider sind uns ihre Klangsymbole nicht bekannt.
Diese schlichte Kunst war lange vor Homer bekannt (in der Odyssee erwähnt Homer einen seiner Kollegen), ging durch die Jahrhunderte, lebte lange zusammen mit dem Theater (nicht zuletzt, weil das Theater keine Unterhaltungs-, sondern eine kultische und erzieherische Funktion hatte), und wurde schließlich von ihm verdrängt.
Ich erblicke in Elementen der Rhapsodenkunst – besonders in unserer Zeit, in der die Vollkommenheit der visuellen Mittel die Phantasie erlahmen lässt – den Keim einer Form zwischen Erzählung und Aktion (letzteres gab es in der Antike nicht), die zugleich die Phantasie belebt. Mit Daphnis und Chloe begann ich, mit dieser Form zu experimentieren. Mythen ist das zweite Werk dieser Gattung, Hero und Leander nun das dritte Werk.
Die Besetzung dieser Werke ist absichtlich eng begrenzt, weil zum Stil dieser Gattung die Einfachheit des Ausdrucks gehört. Der Erzähler (Rhapsode) liest und spielt zugleich.
Es versteht sich, dass es nicht in meiner Absicht liegt, einen archaisierenden Versuch zu unternehmen. Vielmehr geht es hier um eine Gattung, die sich an der Schwelle zwischen Rapsedia und Theater bewegt.

Dimitri Terzakis

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