Beschreibung
Kammermusik V steht am Ende einer Reihe von Ensemblestücken, die nicht unwesentlich bestimmte Stationen meines Komponierens markiert haben. Erst nach „Kammermusik IV“ ist mir selbst eine gewisse Logik der Abfolge und der Problemstellungen in allen fünf Werken bewusst geworden. Das heißt, diese Serie war nicht von Beginn an in dieser Form geplant. Hinzu kommt, dass „Kammermusik II“ in meinen Augen zur Zeit ihrer Entstehung im Jahre 1991 ein Vorwegnahme von musikalischen aber auch expressiven Momenten war, die ich aus verschiedenen Gründen erst wieder in den ersten Jahren des neuen Milleniums aufgegriffen habe. „Kammermusik I“ wurde von mir im Jahre 2006 grundlegend revidiert. Eine Revision meiner eigenen Werke ist in der Regel bisher nie der Fall gewesen, sieht man von kleineren, meist instrumentatorischen und dynamischen Retuschen ab, die aber keine wirklich Revision darstellen. Eher habe ich ein Werk nach reiflicher Überlegung komplett zurückgezogen, was bisher in zwei Fällen geschehen ist.
Bei „Kammermusik I“ schien mir dies jedoch nicht am Platze, denn die grundlegende Substanz eignete sich weiterhin gleichsam als „Auftakt“ der gesamten Serie. Während „Kammermusik I und III“ vor allem durch musiktechnische bzw. hörpsychologische Überlegungen geprägt sind, tritt in „Kammermusik II, IV und V“ auch verstärkt Persönliches in die Musik ein, das jedoch wie in allen anderen entsprechenden Fällen so transformiert wird, dass es gleichsam „Privatbesitz“ bleibt und nur als Katalysator für das Werk selbst diente.
„Kammermusik V“ ist die bisher größte Besetzung dieser Reihe und entspricht eigentlich bereits einem Kammerorchester. Jedoch veranlasste mich die Kompositionsweise und der individuelle Einsatz der Instrumente, bzw. der verschiedenen Gruppierungen, weiterhin den Titel „Kammermusik“ zu wählen.
In „Kammermusik V“ spielen vor allem gruppenpsychologische Elemente und Fragen der Hierarchie eine wichtige Rolle. Musikalische „Individuen“ (die sich auch durch Gruppierungen manifestieren können) tragen „klangräumliche Konflikte“ miteinander aus. Zwischen den Extremen „völlige Verschmelzung“ und „völlige Isolation“ bewegt sich diese Musik in einem ständigen Wechselbad durch verschiedenste Stadien der jeweiligen Bezugs- oder Nichtbezugshaftigkeiten.
Das Werk ist dadurch nicht zuletzt auch ein Spiegel unserer aktuellen zwischen- menschlichen bzw. interkulturellen Kommunikationsproblematik zwischen Sprachlosigkeit, Verstummen, Oberflächlichkeit, Gleichgültigkeit bis hin zur Informations- bzw. Reizüberfrachtung, die eben jene Sprachlosigkeit vielleicht erst evoziert. Womit sich der Kreislauf von selbst schließt.
Dadurch soll kein düsteres Bild einer Weltuntergangsstimmung gezeichnet werden. Jedoch ist mir ein Fingerzeig auf die Notwendigkeit der Kultivierung des direkten Zwischenmenschlichen als urmenschliche Kommunikationsform jenseits von SMS, Email und anderen Entfremdungen von zentraler Bedeutung.















