Beschreibung
Die „Migration des Oiseux“ zugrundeliegende Idee war, Vogelstimmen zu analysieren und aus diesen Vogelsti mmen die Harmonik eines gesamten Stücks abzuleiten. Anders als beispielsweise Olivier Messiaen habe ich hierbei nicht den Gesang der Vögel transkribiert und auf die Instrumente übertragen, sondern kurze Sequenzen verschiedener Vögel, z.B. russischer Singschwäne, Eulen, Eisvögel, Tauben und Amseln, einer Spektralanalyse mit Open Music unterzogen. Hierbei habe ich meist einzelne Akkorde als Grundlage für die
Melodien und Harmonien genommen. Die Verbindung zwischen den Akkorden habe ich über Interpolationen erreicht. Wie in vielen meiner Werke gibt es auch hier wieder Referenzen, z.B. den Hauptakkord aus Tristan Murails „Feuilles à travers les cloches“, dem ich bspw. den zentralen Klang aus Helmut Lachenmanns „SerYnade“ gegenüberstelle. Beides zeigt meine Liebe zur deutschen wie zur französischen Musik.
Die zentrale künstlerische Idee besteht darin, einen Gedankengang von Gerhard Richter auf die Musik zu übertragen. Diese Technik habe ich bereits in meinem Orchesterstück „Alpha Centauri“ und in meinem Werk für Bläserensemble und Percussion „Players Paradise“ angewendet: Bei Gerhard Richter entsteht der künstlerische Prozess bei einigen Werken in etwa wie folgt: Richter agiert zunächst als Photograph und bildet anonyme Landschaften ab, z.B. einen Berg in der Schweiz oder eine Meereslandschaft. Dieses Photo verwendet er dann um es exakt nachzumalen. Eine weitere Technik kann darin bestehen, das Photo auf
eine andere Größe zu bringen, in welcher es dann übermalt wird. Am Ende entsteht ein Bild, welches alte, klassische Maltechniken verwendet und zeitgleich moderne Photographie. Die moderne Photographie und die Sicht auf die Dinge bedingt das spätere, gemalte künstlerische Resultat. Gerhard Richter ist näher an der Landschaft, als bspw. Caspar David Friedrich. Er arbeitet mit der originalen Landschaft. Eine ähnliche Technik habe ich im musikalischen Sinn auch verwendet. Meine anonyme Landschaft besteht aus Audio-Downloads der Internet Plattform Youtube sowie eigenen Field-Recordings von Vogelstimmen. Diese Vogelstimmen wurden mit AudioSculpt und Spear analysiert. Dieser Analyse habe ich direkt die Harmonik des Werks entnommen.
In gewisser Hinsicht musste ich einige Änderungen an der Harmonik an ausgewählten Stellen durchführen. An manchen Passagen singt ein Vogel z.B. in a-moll und ich wollte keine harmonischen Bezüge, also habe ich diejenigen Stellen, an denen deutliche harmonische Wendungen in der Spektralanalyse per Zufall entstehen, ausgebessert und verändert. Auch bei der Übertragung auf das Klavier habe ich ein anderes Raster verwendet
als bspw. in den Streichern, da das Klavier nur durch eine Umstimmung mikrotonal spielen kann.
















