Thomas Buchholz

Scharakan für Solosopran und Kammerensemble (2002)

Texte: altarmenische Liturgie
Besetzung: Sopran solo, Kammerensemble
Violinen (2), Cello, Harfe, Bass-Klarinette, Posaune, Tuba, Sopran
Mietmaterial
Dauer (h:m:s): 00:14:00
Verlag Neue Musik GmbH / NM10079
ISMN: 9790203213376

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Beschreibung

Zum Werk

Die armenisch-apostolische Kirche zählt als die älteste Staatsreligion der Welt. Sie wurde im Jahre 301 nach Christus durch König Trdat III. ausgerufen. Seit dieser Zeit verbinden die Armenier ihre nationale Identität unmittelbar mit ihrer Kirche. Das Hymnarium der armenischen Kirche entstand zwischen dem 5. und dem 15. Jahrhundert und wird Scharaknotz genannt. Es besteht aus 1166 Hymnen. Der Mönch Mesrop Maschtots erfand gegen 405 die armenischen Schriftzeichen. In der Folgezeit entstanden neben der Übersetzung der Bibel viele Schriften zur Begründung des Christentums. Bis auf den heutigen Tag hat sich die Liturgie nicht geändert. Sie ist in altarmenischer Sprache, die heute nur noch von den Pristern und einigen Wissenschaftlern verstanden wird. Scharakan ist der Terminus für den Hymnus in der armenischen Kirche. Er umfasst sowohl liturgische als auch liedhafte Melodien. Alle Hymnen können als Bestandteile des Patarak, der armenischen Messe, verwendet werden.
Für die vorliegende Komposition wurde in variierter Form ein Scharakan aus einer Sammlung des bedeutendsten armenischen Komponisten Komitas Vardapet (1869-1935) verwendet, die dieser im Oktober 1892 als Mönch in Kutina anlegte. Der Text des Scharakan bezieht sich auf den fast gleichlautenden Bericht der vier Evangelisten über die Erscheinung des Engels am leeren Grab Christi. Über die Herkunft des Textes macht Komitas keine Angaben.
Der zweite Text entstammt einer Scharaknotz-Handschrift des 12. Jahrhunderts und ist Teil eines Scharakan an der Bahre eines Entschlafenen. Der Verfasser des Textes ist der berühmte altermenische Dichter Nerses Schnorhali (1102-1172). Die formale Anlage der gesamten Dichtung, von der hier nur der Anfang verwendet ist, entspricht einer alphabetischen Akrostichis. Aber nicht nur die Form, auch die Wortwahl und die Wortbildung legen Zeugnis über den hohen Stand der armenischen Künste in dieser Zeit ab. Sie sind dem Niveau europäischer Künstler dieser Zeit mindestens gleichbedeutend.
Mit Achtung und Ehrfurcht vor der Größe und Bedeutung dieser frühchristlichen Tradition, suche ich mit meiner Musik dem Anliegen der Texte nachzuspüren. Wesentliche Phrasen der altarmenischen Melodik habe ich dabei in ursprünglicher Gestalt übernommen, und dabei den stilistischen Bruch zu meiner eigenen, westeuropäisch geprägten Stilistik bewusst gestaltet.
T. B.




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