Beschreibung
Die Violinsonate zählt zu einer Reihe von Kammermusikwerken, die Paul von Klenau nach seiner Rückkehr in seine Heimatstadt Kopenhagen komponierte. An ihr lässt sich seine „tonartbezogene Zwölftontheorie“ gut nachvollziehen, weil die Reihentabellen in den Skizzen erhalten sind. So bilden die letzten fünf Töne der Ausgangsreihe einen aufsteigenden Dur-Dreiklang und einen fallenden Dur-Quartsextakkord. Klenaus Reihenbehandlung ist überwiegend frei, auch wenn sich die Reihe als Schablone stets nachvollziehen lässt, zum Beispiel, wenn er zu Beginn für die Eröffnung im Klavier aus der ersten Reihenhälfte einzelne Zellen abspaltet und wiederholt. Selten erklingt die Reihe in ihrer kompletten Form wie in T. 65–68 im ersten Satz, wo Violine und Klavier ausschließlich die Töne der Krebsreihe auf Des und D intonieren.
Die formale Anlage entspricht einer traditionellen viersätzigen Sonate, wobei Klenau das Finale mit dem Rückgriff auf den Beginn des ersten Satzes in der Coda neu komponierte, nachdem er mit dem ursprünglichen letzten Satz nicht zufrieden war. Die Uraufführung fand vor einem Publikum aus 24 geladenen Gästen bei der reichen Mäzenin Elisabeth Schou durch den Pianisten Boris Linderud und die Violinistin Gunna Breuning-Storm statt. In einem Brief vom 28. November 1943 an seine Ehefrau Margarethe Klimt schwärmte Klenau: „Es waren 24 Leute bei Frau Schou zum Tee eingeladen und um 3 Uhr wurde musiziert. Es heißt es würden meine zwei neuesten Arbeiten zum ersten Mal gespielt. Die Klaviersonate und die Herbstsonate (wie ich sie genannt habe) für Geige und Klavier. […] Die Geigensonate wurde von der ausgezeichneten Künstlerin Frs Breuning-Storm ganz vorzüglich gespielt. Diese Arbeit ist mehr romantisch, leichter zugänglich, sehr melodisch. Man fand sie nordisch!“ Am 26. Mai 1944 folgte eine Übertragung der Sonate im dänischen Rundfunk. Es sollte die bisher letzte öffentliche Aufführung des Werks bleiben, das hier zum ersten Mal in einer ordentlichen Edition erscheint. Als Vorlage diente das Manuskript der Partitur, aufbewahrt in der Königlichen Bibliothek Kopenhagen, Klenau Samling Nr. 15.
Gerrit Bogdahn




















