Beschreibung
In sieben Stimmen wird die Erschaffung der Weltseele nach Platons „Timaios“ nachgezeichnet, die sich zunehmend kompliziert und an ihrer eigenen Komplexität, zur Maschine geworden, zusammenbricht.
Sieben Artikulationsformen vom Tenuto zum Martellato versuchen durch das Netz der sieben Schichten ein „lch-Du“ zu retten doch verlieren sie sich in der Maschinerie. Die sieben Intervallschichten folgen der Proportion 1:2:3:4:8:9:27, ein Ineinandergreifen von Duodezimen und Oktaven, ein Nebeneinander der harmonischen Proportion 6:9:12 (e“‘ – a“ – a‘) und der arithmetischen Proportion 6:8:12 (e“‘ – h“ – e‘), das sich zunehmend zu immer engeren Intervallschichten auffüllt bis zur Ganztonreihe, die zum Schluss zur chromatischen Reihe umbricht. Das Stück ist nahezu unspielbar, da die überlagerten Schichten, die in jeweils eigenem Tempo den Klaviertonraum durchschreiten, ein stetiges Überkreuzen der Linien verursachen; dies von einem Pianisten plastisch zu gestalten, geht an die Grenzen der Spielbarkeit.
Diese Überladung an Anforderungen entspricht dem beschriebenen Weg an Weg in die Irre, in die Wüste, die es zu Überschreiten gilt. Der Pianist ruft so auch zum Schluß des Stückes aus: „Re Usura aus dem Fokus. Ich nahm ein Symptom für den Grund. Der Grund ist Habgier“. (Ezra Pound)
Stefan Schädler, in: Melos. Klaviermusik des 20. Jhdts.,
Mainz 1992, S. 207ff .
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Der Komponist Walter Zimmermann (* 1949) holt sich die Ideen für seine Musik gerne aus Literatur, Philosophie und bildender Kunst. Im Falle des 1986 komponierten Klavierstücks „Wüstenwanderung“ spielt die Erzählung von der Erschaffung der Weltseele nach Platons „Timaios“ eine wichtige Rolle. Zimmermann zeichnet den Schöpfungsprozess in sieben Stimmen nach, wobei er sieben Intervallschichten in genau berechneten Proportionen ineinandergreifen lässt. Das sich über 275 Takte hinziehende Stück wird am Ende so komplex, dass es nahezu unspielbar wird […]. Zwei im Internet vorfindliche Einspielungen (Ian Pace und Daniel Seel) belegen übrigens, dass das Stück letztlich doch spielbar ist. Nur muss man dafür sehr lange üben.“
Robert Nemecek, PIANONews 3/2026; https://www.pianonews.de/
Abdruck mit freundlicher Genehmigung














